Warum Beziehungspflege in jede Partnerschaft gehört!

Halte kurz inne und überlege, wie viel Zeit du im Alltag mit deinem Partner oder deiner Partnerin und deinen Kindern verbringst. Im Durchschnitt arbeiten Männer und Frauen ca. zwei bis drei Stunden pro Tag mit den Kindern und der Familie. Das ist insgesamt ein Achtel der gesamten Tageszeit.

Umgekehrt bedeutet das, dass du 7/8 deiner Zeit, die dir am Tag zur Verfügung steht, allein, schlafend oder mit fremden Menschen verbringst.

Doch plötzlich seid ihr beide gemeinsam mit den Kindern im Urlaub oder es sind Feiertage. Du hast so viel Zeit für die Familie und manchmal läuft nicht alles so harmonisch, wie du dir das vorgestellt hast.

In Kürze:

  • Nur etwa ein Achtel deines Tages verbringst du mit Partner und Kindern. Sieben Achtel gehören anderen Menschen, dem Schlaf oder dir allein.
  • Gemeinsame Zeit reicht allein oft nicht, um eure Beziehung zu stärken. Im Urlaub wird eine bestehende Anspannung häufig erst sichtbar.
  • Viele Paare vermeiden die Konfrontation mit Kompensationsstrategien: Rudelurlaube, getaktete Aktivpläne, andere Menschen als Puffer.
  • Beziehungspflege beginnt bei dir selbst: Verantwortung für deine Gefühle, eine emotional erwachsene Kommunikation, bewusst gestoppte Streits.
  • Blockt euch feste Zeiten und bleibt körperlich. Ein Spaziergang am Wochenende, ein Abendessen im Monat, eine Umarmung in der Küche.

Wenn Zeit zu zweit in der Partnerschaft zur Herausforderung wird

Je nachdem, wie deine Beziehung vor dem Urlaub ist und welche Basis ihr habt, kann sich die gemeinsame Zeit im Urlaub unterschiedlich gestalten.

Die Zeit beginnt harmonisch, doch nach wenigen Tagen spürst du eine gewisse Anspannung zwischen euch. Streitereien beginnen und der Wunsch, dass der Urlaub vorbei ist, wird immer größer. Der Alltag wird dann als Erleichterung erlebt.

Endlich sind die Kinder wieder im Kindergarten oder in der Schule und der Partner zumindest zeitweise woanders. Es fühlt sich nicht mehr wie ein füreinander an. Eher arbeitet ihr gegeneinander.

Gemeinsame Zeit reicht allein oft nicht, um deine Beziehung zu retten. Auch wird sie euren Umgang miteinander und eure Verbindung zueinander nicht zwangsläufig verbessern.

Kompensationsstrategien: wie Paare Beziehungspflege vermeiden

Oft wollen Paare die Realität ihrer Partnerschaft nicht wahrhaben und versuchen, unangenehme Konfrontationen in der Beziehung zu vermeiden. Diese sogenannten Kompensationsstrategien wendest du bewusst oder auch unbewusst an.

Der Rudelurlaub, um gemeinsame Zeit zu vermeiden

Kennst du Familienurlaub mit anderen Familien, Freunden oder Schwiegereltern? Diese bezeichne ich sehr gerne als „Rudelurlaube„. Anstatt mit der Kernfamilie allein zu verreisen, werden noch weitere Personen und Familien eingeladen. Paare vermeiden so, sich mit den eigenen Kindern auseinanderzusetzen oder sich miteinander zu beschäftigen.

Es ist viel leichter, sich mit „fremden“ Personen über unverfängliche Themen zu unterhalten, als sich mit dem Partner und den eigenen Beziehungsproblemen auseinanderzusetzen. Um solchen schwierigen Situationen aus dem Weg zu gehen, werden diese einfach vermieden. Andere Menschen werden als Puffer benutzt, sodass es zwischen dir und deinem Partner erträglich bleibt.

Aktivideenurlaub

Jeder kennt den Cluburlaub, das Hotel mit Kinderanimation oder den Skiurlaub. Ist dein Gegenüber tagsüber nicht anwesend, minimiert sich die gemeinsame Zeit. So kannst du schwierige Themen vermeiden.

Wenn es immer einen getakteten Plan gibt, wird sich eher mit dessen Einhaltung beschäftigt als mit den eigentlichen Problemen. Auch hier ist es wieder leichter, sich über den geplanten Ausflug zu unterhalten, als sich über das permanente Schweigen in der Liebesbeziehung aufzuregen.

Es gibt keinen Absolutismus!

Nicht immer, wenn du mit anderen Menschen in den Urlaub fährst, ist es automatisch eine Kompensationsstrategie. Nicht jedes Mal, wenn deine Kinder in der Ferienbetreuung sind, ist es automatisch eine Kompensation.

Fühle in dich rein, sei ehrlich zu dir und entscheide dann, ob es sich nach einer Vermeidungsstrategie anfühlt oder nicht.

Beziehungspflege im Alltag: fünf Tipps aus meiner Praxis

Gerne möchte ich dir einige Tipps mit auf den Weg geben, was ihr gemeinsam tun könnt, um eine stabile Basis zu schaffen. So wird eure Urlaubszeit nicht zur Horrorzeit. Sicherlich sind die Tipps nicht neu, aber du solltest sie dir immer wieder bewusst machen und anwenden.

1. Tipp – Lerne dich, deine Bedürfnisse und deine Emotionen kennen!

Oft geben wir anderen die Schuld für unsere Gefühle. Dadurch begibst du dich in eine Abhängigkeit, verlierst deine Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit. Ist jemand anderes verantwortlich für deine Emotionen, kannst du selbst nichts daran ändern.

Ist dies deine Beziehungsdynamik? Dann ist der erste wichtige Schritt, Verantwortung für deine Gefühle und Reaktionen zu übernehmen. Du solltest erst erkennen, woher deine Beziehungsmuster kommen. Von wem hast du sie gelernt oder übernommen? Auf welches Verhalten deiner Eltern sind sie vielleicht die Reaktion?

Wenn du verstanden hast, dass der Großteil der Handlungen und Verhaltensweisen anderer nicht mit dir zu tun hat, bist du einen riesigen Schritt weiter. Dann fängst du an, dich, deine Gefühle und deine Bedürfnisse besser zu verstehen.

2. Tipp – Arbeite an deiner Kommunikation, um Konflikte zu meistern!

Eine gesunde und emotional erwachsene Kommunikation ist offen und fördert gegenseitiges Verständnis. Gemeinsam schafft ihr einen Wohlfühlort, gebt euren Gefühlen den benötigten Raum und arbeitet als Team zusammen.

So können Missverständnisse und später auch Verletzungen und Schmerz vermieden werden. Mit den Paaren in meiner Praxis erarbeite ich beispielsweise eine bedürfnis- und grenzenorientierte, emotionsbasierte Kommunikation.

3. Tipp – Beobachte dich in Konfliktsituationen!

Die meisten Konflikte sind nicht zielführend oder lösungsorientiert, sondern ein Kampf für die eigenen Bedürfnisse. Kämpft ihr beide gegeneinander, hat es oft kein positives Ende. Streitigkeiten solltest du bewusst stoppen, damit die negative Dynamik nicht zunimmt. In Konfliktsituationen entstehen die meisten Schmerzen und Verletzungen.

Deswegen mein Tipp für deine nächste Konfliktsituation:

Merkst du, dass der Streit zu nichts führt und ihr euch in einer Negativspirale befindet, solltest du ihn unterbrechen. Vereinbare mit deinem Partner, das Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt fortzuführen. So vermeidest du, dass ihr verletzende Dinge zueinander sagt.

Oftmals haben wir nie gelernt, Konflikte emotional und erwachsen zu führen, weder von unseren Eltern noch in der Schule. In keinem anderen Moment als in Streitsituationen springen unsere Beziehungsmuster so schnell an. Deswegen gehe mit diesen Situationen ganz sensibel um und sei dir ihrer zerstörerischen Kraft bewusst.

Hole dir externe Unterstützung, egal wie und von wem, und lerne die Kompetenz der Streitkultur (neu). Beschäftige dich mit Büchern, Podcasts oder hole dir professionelle psychologische Unterstützung.

4. Tipp – Blocke dir Zeiten für die Beziehung und deinen Partner!

Der Alltag killt deine Liebesbeziehung, das ist Fakt. Unabhängig von der Anzahl der Kinder, Hobbys oder Arbeitsstunden. Schaust du dir die Phasen einer Beziehung an, willst du anfangs nur Zeit zu zweit genießen. Dieser Zustand hält ca. 12 bis 18 Monate an.

Danach fokussierst du dich wieder mehr auf die Außenwelt, auf Job, Sport, Freunde und Freundinnen. In der wichtigen Verliebtheitsphase baust du eine starke Bindung und Verbundenheit zu deinem Gegenüber auf. Diese Faktoren spielen eine zentrale Rolle, um anschließend den Herausforderungen eines gemeinsamen Lebens standhalten zu können.

Das Leben hält unzählige Herausforderungen für uns bereit, da solltest du deinen Partner oder deine Partnerin nicht aus den Augen verlieren. Ihr seid mehr als nur Mutter, Vater oder Freunde. Du bist Teil einer Liebesbeziehung.

Deine Liebesbeziehung ist eine freiwillige Entscheidung

Ich möchte dir verdeutlichen, dass jede Partnerschaft komplett freiwillig geführt wird. Du bist dazu nicht gezwungen, du musst auch nicht bleiben. Ja, du verlierst vielleicht vieles, wenn du sie verlässt. Aber du wirst weiterhin leben und lebendig sein.

Die Liebesbeziehung mit deinem Gegenüber zu führen, sollte eine freiwillige Entscheidung sein, die du jeden Tag aufs Neue triffst. Eine gesunde Beziehung fühlt sich beflügelnd an. Du brauchst die Person nicht in deinem Leben, sie bereichert deinen Tag einfach!

Die Qualität deiner Beziehung hängt zum großen Teil von deinem und eurem persönlichen Investment ab! Was bist du bereit, in deine Partnerschaft zu geben? Nur wenn du Wertschätzung und Respekt in die Liebesbeziehung gibst, kannst du auch Wertschätzung und Respekt zurückbekommen.

Blockt euch feste Zeiten, die nur euch als Paar und Menschen gehören. Es reicht ein Spaziergang am Wochenende, ein Abendessen im Monat, ein gemeinsamer Urlaub zu zweit im Jahr. Schenke deiner Liebe Zeit, Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Respekt und du wirst überrascht sein, was du dafür zurückbekommst!

5. Tipp – Bleibt körperlich oder integriere Körperlichkeit wieder Schritt für Schritt in eure Beziehung!

Für die Pflege deiner Liebesbeziehung spielen vorwiegend die Bereiche Körperlichkeit und Sexualität eine entscheidende Rolle. Durch diese zwei Bereiche unterscheidet sich die Partnerschaft von der Liebesbeziehung. Doch worin liegt der Unterschied?

Finde für dich heraus, ob du nur noch in einer Partnerschaft oder doch in einer Liebesbeziehung lebst. Ihr plant und lebt gemeinsam euer Leben, stimmt es aufeinander ab, seid vielleicht sogar liebevoll und respektvoll zueinander. Könntest du theoretisch nicht auch mit einem engen Freund oder Freundin zusammenleben? Die Partnerschaft ist nur ein Teil der Beziehung.

Laut einer Studie sind Paare, die keine Körperlichkeit und / oder Sexualität mehr leben, zu 30 % unglücklicher und haben 20 % mehr Beziehungsprobleme.

Bekommt dieser Bereich der Beziehung derzeit wenig Raum, könntest du eine sanfte Berührung beim Vorbeigehen oder eine Umarmung in der Küche in deinen Alltag einbauen. Auch das ist ein bewusstes Investment in deine Partnerschaft, das sich auszahlen wird.

Häufige Fragen zur Beziehungspflege

Was bedeutet Beziehungspflege?

Für mich bedeutet Beziehungspflege, bewusst in die eigene Liebesbeziehung zu investieren, statt darauf zu warten, dass gemeinsame Zeit von allein etwas repariert. Dazu gehört, die eigenen Bedürfnisse und Emotionen zu kennen, offen zu kommunizieren, Streit rechtzeitig zu unterbrechen, feste Zeiten füreinander zu blocken und körperlich in Verbindung zu bleiben.

Wie kann man eine Beziehung pflegen?

Fünf Dinge gebe ich dir mit: Lerne dich, deine Bedürfnisse und deine Emotionen kennen. Arbeite an einer emotional erwachsenen Kommunikation. Beobachte dich in Konfliktsituationen und stoppe Streit, der zu nichts führt. Blocke dir feste Zeiten, die nur euch gehören. Und bleibt körperlich, auch wenn es nur eine Umarmung in der Küche ist. Wenn ihr dabei Begleitung möchtet, schauen wir in der Paartherapie in Karlsruhe gemeinsam hin.

Was ist der Unterschied zwischen Partnerschaft und Liebesbeziehung?

Die Partnerschaft ist für mich nur ein Teil der Beziehung. Ihr plant und lebt gemeinsam euer Leben, stimmt es aufeinander ab und seid liebevoll und respektvoll zueinander. Das könntest du theoretisch auch mit einem engen Freund. Was die Liebesbeziehung davon unterscheidet, sind Körperlichkeit und Sexualität.

Warum reicht gemeinsame Zeit nicht aus, um die Beziehung zu stärken?

Weil gemeinsame Zeit nichts darüber aussagt, welche Basis ihr habt. Der Urlaub beginnt harmonisch und kippt nach wenigen Tagen in Streitereien, bis der Alltag als Erleichterung erlebt wird. Zeit allein verbessert euren Umgang miteinander nicht zwangsläufig. Es braucht bewusste Beziehungspflege, damit aus dem Gegeneinander wieder ein Füreinander wird.

Wie kann ich dich bei der Pflege deiner Beziehung unterstützen?

Werde dir bewusst, dass deine Beziehung im ständigen Prozess ist. Du musst nicht auf eine akute Krise warten, um in eure Verbundenheit zu investieren. Beziehungspflege könnt ihr auch als Prävention verstehen.

In einem geschützten Rahmen entdeckt ihr gemeinsam neue Wege, eure Liebesbeziehung zu stärken und eure Kommunikation zu vertiefen. Macht euch dieses wunderschöne Geschenk und fühlt euch wieder näher miteinander verbunden! Es lohnt sich.

Ich lade euch herzlich ein, Kontakt zu mir aufzunehmen für ein Informationsgespräch oder um direkt über WhatsApp zu kommunizieren.

Bild von Annika Sengpiel

Annika Sengpiel

Paar- und Sexualtherapeutin in Karlsruhe.

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